Wildstyle

04/2003-04/2010


Vorwort

Angeheizt durch die Diskussion über den Super-Diablotin bei RC-Network entstand der Wunsch nach einem voll kunstflugtauglichem Modell. Viele werden jetzt sicher denken, daß dieses Vorhaben an meiner Festlegung mit maximal zehn Zellen zu fliegen scheitern wird, aber auch in dieser Klasse finden sich genug Modelle, die leicht genug gebaut werden können, um mit zehn Zellen und um die 40A vollen Kunstflug zu ermöglichen.

Elektro-Umbausatz laser-geschnitten!

Der Wildsytle gehört mit 199EUR zu den teuersten Baukästen. Andere Flieger bekommt man für das Geld schon fertig bespannt. Die Qualität des Baukastens ist aber kaum zu toppen und gerade für Elektroflieger interessant, da der Wildstyle extrem leicht gebaut ist.
Der Baukasten ist lasergeschnitten und besteht aus leichtem 3mm Pappelsperrholz und ausgesuchtem Balsa. Da das Modell in der Grundversion für Verbrenner ausgelegt ist, mußte ich noch den Elektro-Umbausatz dazu bestellen. Dieser beinhaltet einen neuen Motorspant und einen Motorträger.
Der lange hohe Rumpf ist aerodynamisch schlank ausgelegt und scheint damit ideal für den Messerflug geeignet zu sein. In Verbindung mit den großen Rudern und dem dicken FunFlyer-Profil ist der Wildstyle eher eine Mischung aus FunFlyer und Kunstflugmodell.

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Bau

Der Bau gleicht bei der Baukastenqualität eher einem "Steckspiel", bei dem man auch ohne Helling zu einem Verzugsfreiem Ergebnis kommt. Viele Bauteile sind entsprechend mit "Zungen" unterfüttert, so daß man diese einfach auf dem Tisch aufstellen kann. Einige Bilder vom Bau sagem mehr als Worte:

Rippen mit angebauter "Helling" Auch der Rumpf steht von selbst auf dem Tisch Bereich zwischen erster Rippe und Wurzelrippe Hier der noch nicht modifizierte Motorträger

Der Motorträger mußte leicht abgeändert werden, damit der Motor auch später noch aus dem Modell genommen werden kann. Der Akku wurde auf der Fläche plaziert und mit einem GFK-Akkuschacht gesichert, welcher wiederum mit zwei Kohlerovings befestigt wurde. Die Rovings habe ich über Kreuz wie beim Nähen durch die Fläche gezogen und mit Epoxy verhärtet.

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Antriebsauslegung

Der Antrieb meines Telemasters gefiel mir eigentlich schon sehr gut. Für einen FunFlyer mit "senkrechten" Ambitionen würde aber die Leistung an 10 Zellen zu gering sein. Außerdem finde ich den Mega ACn 22/20/3 für höhere Ströme eher weniger geeignet, da er mit einem Innenwiderstand von 28mOhm recht warm wird.
Meine überlegungen führten zum Mega ACn 22/20/2 mit 5:1 Plettenberggetriebe. Ein deutlich schärferer Motor mit nur 12mOhm Innenwiderstand und 2850rpm/V. Das höher untersetzte Plettenberg-Getriebe sollte den Motor wieder für große Luftschrauben tauglich machen. Meine erste Schätzung und auch die Berechnung von "Elektroantrieb" gingen in Richtung 17-Zoll-Latte und etwas über 40A Strom. Hier meine dann gemessenen Werte:

Messwerte Mega ACn 22/20/2 PG 5:1
Luftschraube U[V] I[A] rpm V[m/s]
AerCC 13x8 M=45 11,0 24,7 5740 19,4
AerCC 15x8 M=45 11,0 28,2 5560 18,8
AerCC 16x8 M=45 11,0 34,9 5340 18,1
AerCC 16x8 M=55 11,0 37,0 5160 17,5
AerCC 16x8 M=60 11,0 39,4 5120 17,3
AerCC 16x10 M=55 10,9 38,4 4850 20,5
AerCC 17x9 M=45 10,9 46,0 4950 18,9
AerCC 17x9 M=55 10,2 46,4 4760 18,1

Die ersten Tests haben ergeben, daß der Wildstyle mit einer 17x9 am 60er Mittelstück die beste Performance bietet. Vollgas benötigt man nur kurzzeitig zum Herausbeschleunigen aus brenzligen Situationen.
Mit einem 10-Zeller-Sub-C wiegt der fertige Wildstyle 1800g. Der Schub des Antriebs liegt bei 25N.

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Fliegen

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Modifikationen

Februar 2004, Testen von Konion-Zellen: Zu den neuen Zellen von Kontronik habe ich bereits beim Telemaster etwas geschrieben. Mit einem Spitzenstrom von 40A und 26,4A Dauerbelastung, können die Zellen auch im Wildstyle bei entsprechnder Luftschraubenanpassung eine Alternative sein.
Da ich bis jetzt noch leicht kopflastig mit dem WS fliege, passt es ganz gut, dass die leichten Konion-Zellen den Schwerpunkt etwas nach hinten verlagern (geschätzt 1cm).
an Sub-C-Größe angepaßter Konion 3s2p Als Luftschraube wird die Aeronaut CamCarbon 16x8 am 60er Mittelstück zum Einsatz kommen. Durch den Mega fliessen dann bei Vollgas 39A, was bei den Zellen nur kurzzeitig angelegt werden darf. Damit der 3s2p-Konion-Pack in die Akkuhalterung passt, habe ich ihn mit etwas Balsaholz verlängert und dicker gemacht.
Flugfertig mit einem 3s2p-Konion-Pack wiegt der Wildstyle nun 1470g! Den Pack habe ich am Platz nicht mehr nachgeladen, sondern direkt in den Flieger geschnallt. Bei einer Außentemperatur von 2°C dauerte der erste Flug 7min! Dabei habe ich mich am Gasknüppel nicht zurückgehalten. Neben mehreren Aufwärtspassagen waren auch die ersten Messerflugversuche mit dabei. Umso mehr wunderte ich mich darüber, daß beim Laden dann nur 1053mAh in den Pack geladen wurden. Irgendwie wollte ich das nicht glauben, weshalb ich mich beim nächsten Flug darauf einstellte, daß der Akku etwas eher einbricht. Meine Verwunderung wurde noch größer als mir ein Vereinskollege beim zweiten Flug eine Flugzeit von 9:30min ansagte!! Nach der Landung habe ich den Akku noch etwas im Stand entladen, so daß von etwa 10 Minuten ausgegangen werden kann.
Am Ladegerät habe ich den Pack dann entladen und noch 384mAh herausbekommen. Der Akku war also immer noch nicht leer. Bei 10 Minuten Motorlaufzeit wird im Schnitt ein Strom von ca. 11A (1816mAh*6) aus dem Akku gezogen! Demnach läßt sich der Wildstyle mit knapp 10A fliegen.
So kommt der Pack im Modell zum Liegen Das Fliegen selbst ist natürlich nicht ganz so explosiv wie vorher. Torquen geht immer noch problemlos (wenn man's denn kann). Das Herausbeschleunigen aus dem Torquen ist aber nicht mehr so kraftvoll. Hatte ich vorher den Eindruck, dass der Wildstyle eine Tritt in den Hintern bekommt, so würde ich es nun als normales "Herausbeschleunigen" bezeichnen. Nicht wirklich kraftvoll, aber immer noch ausreichend. Fliegen tut der Wildstyle nun noch angenehmer. Die Landungen gelingen bei dem Gewicht butterweich. Beim Versuch zu Messern, ist soviel Leistung vorhanden, daß mir der Wildstyle bei Vollgas und voll Seite nach oben herausbeschleunigt. Da muss ich noch viel üben. Am meisten Spaß macht es, mit dem Wildstyle eng direkt überm Platz herumzuturnen. Langsame Rollen, Außenlooping,.... einfach fantastisch!
Für mich steht fest, daß die Konion meine Zelle für den Wildstyle ist. Ich mag das langsame konstante Fliegen. Kraft ist genug da, um alle Figuren fliegen zu können. Der Antrieb ist mit der 16x8 noch etwas leiser geworden. Die Zellen waren nach beiden Flügen nicht so warm wie meine Sub-C-Stangen. Es reichte nicht einmal zum Hände wärmen. Beim zweiten Flug bin ich nur 3:19min über Halbgasstellung geflogen. Zum Fliegen benötigt man nicht mehr als 1/3-Gas. Interessant wird es sein, wie sich die Zellen über die Saison machen und ob sie so lange halten, wie die robusten NiCd-Sub-C.

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März 2004, Antriebsmessungen mit Konion-Zellen: Mit den Flugleistungen bin ich bislang zufrieden gewesen. Trotzdem interessierte mich, wie stark die Konion-Zellen in der Spannung bei Volllast einbrechen. An meinen Sub-C-Zellen zog die Aeronaut 16x8 fast 40A Strom, deshalb liess ich die Luftschraube montiert. Schliesslich wollte ich die Zellen nicht überlasten. Die Messung zeigte, dass die Zellen doch deutlich stärker einbrechen und somit der Strom auch geringer ist. Gute 7A weniger Strom als an den Sub-C-Zellen. Darüber freute ich mich, denn nun konnte ich die 17x9 erneut ausprobieren. Ich war also die letzten Flüge mit sehr wenig Leistung unterwegs und dennoch ging der Flieger senkrecht. Mit der 17x9 werde ich wahrscheinlich ähnliche Flugleistungen haben, wie früher an den Sub-C-Zellen. Hier die beiden Messungen:

Mega ACn 22/20/2 mit 5:1 PG, Konion 3s2p
Luftschraube U[V] I[A] rpm V[m/s]
AerCC 16x8 M=60 9,84 33,7 4740 16,1
AerCC 17x9 M=60 9,34 40,0 4360 16,6

Mit der 16x8 sinkt die Zellenspannung auf 3.28V, mit der 17x9 auf 3.11V. Das sollte für die Konion-Zellen kein Problem darstellen. Die Eingangsleistung mit der 16x8 lag bei gerade einmal 330W!!! Das ist weniger Eingangsleistung, als mir beim 2.5kg-Telemaster zur Verfügung steht. Der Wildstyle konnte sogar mit dieser Leistung problemlos bei 1.5kg-Abfluggewicht senkrecht bewegt werden. Dadurch, dass die Spannung mit der 17x9 noch weiter einbricht, steigt die Leistung nicht extrem an. In Zukunft werde ich mit 370W Eingangsleistung fliegen.
Flugbericht: Mit dem so abgestimmten Antrieb bringt der WS jede Menge Spass. Die Leistung mit den Konion-Zellen ist gegenüber der Leistung mit den Sub-C-Zellen zwar geringer, aber 300g weniger Fluggewicht sorgen für angenehmeres Fliegen. Besonders die Landungen sind nun ein Genuss, da das Modell ganz weich aufsetzt.

Mai 2004, Spinnertausch: Damit die Nase nun auch vernünftig aussieht, hat der Wildstyle ein 62er Mittelstück mit einem 60er Spinner spendiert bekommen. Dieser passt sich exakt an die Form der Haube an.

September 2005, Rumpf gebrochen: Bei einer miserablen Landung ist der Rumpf meines Wildstyles genau hinter der Haube komplett durchgebrochen. Die Fahrwerksschrauben scherten ab und die Luftschraube beschädigte leicht die Motorhaube.

Aufgrund meines Hausbaus finde ich über den Winter keine Zeit, den WS wieder herzurichten.

April 2006, repariert: Die anstehende Vereinsmeisterschaft sorgte dafür, daß ich eine kleine "Bausession" einlegte und den WS wieder reparierte. Bei der Vereinsmeisterschaft blies der Wind sehr kräftig. Für diese Aufgabe wird am WS bei meinem Antrieb besser eine 16x10 montiert.
Die 3s2p-Konion haben sich als Lieblingszellen im Wildstyle herausgestellt... auch bei starkem Wind.

Oktober 2006, FePO4-Zellen im Wildstyle: Zum Herbst hin habe ich das Glück gehabt, die leistungsstarken FePO4-Zellen ansatzweise im Wildstyle zu testen. Ansatzweise deshalb, weil die Spannungslage eines 4s1p-Packs deutlich höher ist, als die eines 3s2p-Konion-Packs. Das bedeutet für das nicht-getaktete BEC meines TMM-Stellers Schwerstarbeit, da einiges mehr an Energie verbraten werden muss.
Dennoch wollte ich mir diesen kleinen Test nicht entgehen lassen und packte den FePO4-Pack in den Wildstyle.
Die Leistung ist deutlich gestiegen. Der WS kommt jetzt richtig flott in die Gänge und beschleunigt noch leichter senkrecht weg. Das Gewicht ist durch die dickeren Zellen nicht spürbar gestiegen. Diese Zellen sind erste Wahl, wenn man einen Steller mit getaktetem BEC verwendet!
Die Verwendung dieser Akkus führte zu einer Modifikation beim Akkuschacht. Die Packs werden nun lediglich mit zwei Klettbändern gehalten und sind somit frei verschiebbar.

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Steckbrief

Technische Daten
Spannweite 1300 mm
Rumpflänge 1350 mm
Abfluggewicht 1470 g
Gesamtflächeninhalt 44,8 dm2
Flächenbelastung 32,8 g/dm2
Motor Mega ACn22/20/2 brushless mit 5:1 Plettenberg PG
Steller TMM 6012-3s PL BEC
Antriebsakku 3s2p Konion
Luftschraube AerCC 17x9/16x10 M=62
Servo Höhe 2 x HS81MG
Servo Quer 2 x HS81MG
Servo Seite HS85MG

Einstellungen
allgemein Vollausschlag Querruder ca. +-40°
Vollausschlag Höhenruder ca. +-40°
Vollausschlag Seitenruder ca. +-40°
Schwerpunkt 126mm
  Dual Rate Expo
Flugphase "normal" Querruder 70% 80%
Höhenruder 70% 80%
Seitenruder 100% 50%
Flugphase "Akro" Querruder 100% 90%
Höhenruder 100% 90%
Seitenruder 100% 50%
Flugphase "Speed" Querruder 50% 80%
Höhenruder 50% 80%
Seitenruder 80% 50%

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Weiterführende Links

Online-Fotoalbum zum Wildstyle
Wildstyle Teil 1 - Forumsbeitrag RC-Network
Wildstyle Teil 2 - Forumsbeitrag RC-Network
Konion - 50 C belastbare Zellen, Forumsbeitrag RC-Network
Konion - Neue Generation von LiPo-Zellen, Forumsbeitrag RC-Network
Konion - US 18650 VT, die Alleskönner, Forumsbeitrag RC-Network
Konion-Test von Gerd Giese

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