Pilatus PC-6 Turbo-Porter
06/2012


Vorwort

Bereits im Herbst 2011 kam ein Vereinskollege auf mich zu und bot mir an, seine 207cm spannende PC-6 Turbo-Porter zur Schleppmaschine umzubauen. Sie sollte seine Segler, die bis 4kg wiegen, auf Höhe bringen können und ich sollte die Maschine dann auch fliegen. Da mich der F-Schlepp seit längerem reizt und ich schon oft mit einem kleinen elektrischen Schlepper geliebäugelt hatte, nahm ich das Angebot dankend an.
Es vergingen Wochen und Monate in denen ich nichts an der Turbo Porter tat. Immer wieder kamen andere Projekte dazwischen. Schließlich holte sie der Kollege wieder zu sich, um den Umbau selbst vorzunehmen. Doch auch er hatte kaum Zeit, an der Porter etwas zu ändern. Als sich schließlich Nachwuchs ankündigte, übergab er die Maschine im Mai 2012 wieder an mich. Ich hatte nun endlich Zeit und auch sehr viel Lust, den Umbau anzugehen.

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Antriebsauslegung

Ein großer Nachteil der Porter sei gleich vorweg genommen: Das Modell ist bereits aus der Verpackung heraus ziemlich schwer und damit nur bedingt zum Schleppen geeignet. Umso weniger der Schlepper wiegt, desto mehr Antriebsleistung bleibt für den Segler übrig. Schon mit der 5s-LiPo-Konfiguration brachte es die Porter auf deutlich über 4kg. Es war also klar, dass die 5kg erreicht werden könnten.
Als Randbedingungen bekam ich mit auf den Weg, die Porter auf einen 8s-LiPo-Antrieb auszulegen, da bereits vier 4s-Packs (3200er und 3700er) vorhanden waren. Damit stand die Eingangsspannung und in gewissen Grenzen auch der Strom fest, denn die Akkus sollten auch nicht zu schnell leergelutscht werden. Bei angenommenen 5kg-Gewicht der Porter und 4kg Gewicht des zu schleppenden Seglers kommt das Gespann auf 9kg Gesamtgewicht. Nimmt man 150W/kg als Leistung für ein Schleppgespann an, so ergibt sich eine gewünschte Motorleistung von 150W/kg*9kg = 1350W. Bei 8s-LiPo ergibt sich somit ein Laststrom von 1350W/(8*3.5V) = 48A. Also runde 50A sind anzustreben, wobei ein bißchen Reserve vorhanden ist, denn bis 60A würde ich die Akkus wohl im Bedarfsfall belasten.
Damit stand fest, dass der gesuchte Motor 1350W vertragen muß und bei 28V und 50A eine für die Porter möglichst große Luftschraube (17 Zoll würde noch gerade draufpassen) drehen sollte. Aus den Messungen des Plettenberg Motors an 10s geht hervor, dass eine 17 Zoll-Luftschraube etwas über 1300W aufnimmt, wenn diese mit ungefähr 7000rpm rotiert. Bezogen auf 28V entspricht dies einer Lastdrehzahl von 250rpm/V. Da in der Regel aber nur die Leerlaufdrehzahlen bei Antrieben angegeben werden, kann aus der Erfahrung heraus, dass der Motor unter Last nur noch etwa 80% seiner Leerlaufdrehzahl macht, eine Leerlaufdrehzahl von 310rpm/V angenommen werden (310rpm/V * 0.8 = 248rpm/V). Gehe ich weiterhin davon aus, dass eine 17-Zoll-Latte die Obergrenze markiert, dann darf der Motor gerne auch etwas höher drehen. Das bringt ein wenig Sicherheit in die Abschätzung hinein.
Gesucht war nun also ein Motor mit 320-330rpm/V und einer Leistung um die 1300-1500W. Fündig wurde ich bei Modellbautruhe. Für nicht einmal 60EUR bestellte ich den C5065-320. Die Herangehensweise habe ich auch bei der Vorstellung des Motors noch einmal beschrieben.
Für den Erstflug wollte ich eigentlich eine Aeronaut CAMcarbon PowerProp Luftschraube in 17"x10" haben. Leider hatte mein Händler die Luftschraube nicht vorrätig, so dass ich auf eine XOAR Holzluftschraube gleicher Größe auswich. Der Strom im Stand pendelte sich bei ziemlich genau 50A ein, womit meine Abschätzung genau getroffen wurde (war natürlich Zufall, aber es freut mich trotzdem, wenn es mal so gut paßt ).
Abschließend noch ein paar Einzelgewichte der Porter:

Einzelgewichte PC-6 Turbo Porter 207cm
Rumpf inkl. HLW+Luftschraube 3092g
Tragfläche links 447g
Tragfläche rechts 445g
Cockpitscheibe 25g
Deckel Tragflächenzugang 14g
RX-Akku 2s 1500er 73g
Flugakku 8s 3200er Kokam 792g
Tragflächenstreben 114g
Montagematerial 20g
Summe 5022g

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Fliegen

Der Erstflug mit dem neuen 8s-Setup und der eingebauten Schleppkupplung von KD-Modelltechnik war dann Mitte Juni. Die Porter brachte nach Wiegen aller Einzelteile 5022g auf die Waage (mit 2x 4s 3200er Kokam). Für ein Modell mit gerade mal 2m Spannweite ein recht ordentlicher Wert. Da aber auch schon Turbo Porter mit fast 6kg gesichtet wurden, machte ich mir keine weiteren Gedanken.
Am Tag des Erstflugs hatte es das Wetter nicht allzu gut mit mir gemeint. Böen bis Stärke 5 waren kein gutes Vorzeichen. Zumindest an ein vernünftiges Austrimmen ist bei solchen Bedingungen nicht zu denken. Also die Porter gegen den Wind gestellt und Gas rein. Nach wenigen Metern hob das Modell ab und stieg flott in steilem Winkel nach oben. Leistung war reichlich vorhanden. Ich ließ die Porter noch einen Looping fliegen und korrigierte dann beim zweiten Flug noch den Mischer Wölb/Tief, damit das Einsetzen der Klappen nicht zu einem Wegsteigen führt. Auf den angekündigten Schlepptag am folgenden Wochenende konnte ich mich nun richtig freuen.

Start 1 Start 2 in der Luft Landung

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Steckbrief

Steckbrief PC-6 Turbo Porter 207cm
Spannweite 207 cm
Rumpflänge 157 cm
Abfluggewicht 5022 g
Gesamtflächeninhalt 53 dm2
Flächenbelastung 97 g/dm2
Luftschraube XOAR Holz 17x10
Motor Modellbautruhe C5065-320
Steller Jeti SPIN 77
Antriebsakku 8s 3200er Kokam
Schwerpunkt 80mm ab Nasenleiste

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Weiterführende Links

KD-Modelltechnik (Schleppkupplung)
Modellbau Bichler (Bezug der PC-6 Turbo Porter)
PAF-Flugmodelle (Bezug der PC-6 Turbo Porter)

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